Am 20 Juno war es soweit: Die ganze Stadt feierte auf Wunsch des Ersten Muscheltempels das Seefallfest, den Hochfeiertag der Meeresmutter Urastë.
Es sollte ein weiteres Zeichen sein, dass die Stadt nach Normalität und einem geordneten Leben strebt, etwas mehr als ein halbes Jahr nach der Novemberflut. Der Muscheltempel ist eines der ältesten Bauwerke auf dem Stadtgrund überhaupt und hatte während der verheerenden Flut so gut wie keine Schäden erlitten. Und seit der Zeit des Wiederaufbaus hatten sich die Priester der Meeresmutter immer wieder den Leidenden und denen ohne Obdach angenommen. Dabei war der Glaube an Urastë lange Zeit in den Hintergrund getreten, denn der rasante Aufbau der Stadt im vergangenen Jahrzehnt hatte auch zahlreiche andere Kulte über die Stadt gebracht. Und der Urastëkult schon immer eine der ursprünglichsten und ältesten Religionen an der Küste. Viele alteingesessene Fischer und deren Familien sagen auch heute noch, die Mutter sei einst über das Meer gekommen und habe der Küste die Schätze der See gebracht. Und so mancher Fernfahrer zündet Kerzen im Tempel an, wenn die Mutter der Stürme wohl gesonnen war und die Schiffe sicher wieder im Hafen ankern.
An Seefall nun bereiten die Menschen auf Geheiss des Tempels ihre Wünsche und Gebete für Urastë vor und da die Göttin auf See weilt, haben die Priester alter Tage einen Ritus erdacht, wie diese Wünsche ihr Ziel erreichen können: Die Menschen schreiben sie auf ein Stück Papier oder nehmen einige Dinge, die ihren Wünschen Symbolkraft verleihen. Diese wiederum backen sie dann in einen muschelförmigen Teig. Sie nehmen diese Teigmuscheln dann mit hinunter an die Ufer des Dhonov, die am Feiertag mit blauen und grünen Girlanden geschmückt sind. Die Priester der Meeresmutter sprechen dann ihren Segen über die Teigmuscheln und heissen die Menschen, sie in den Dhonov zu setzen. Der Brauch schreibt vor, dass dies in Gruppen getan wird, und so versammeln sich dann oft große Menschentrauben singend am Ufer, während sie die gebackenen Muscheln auf das Wasser setzen, auf dass sie mit der Strömung gen Mündung und Meer schwimmen. Der Teig löst sich dann bald im Meer auf und gibt die Wünsche der Menschen an die Meeresmutter Preis. Damit gedenken die Menschen auch dem Meer, aus dem Urastë ihnen in alten Tagen erschienen ist und die sie lehrte, die Schätze des Meeres weise zu nutzen.
Und danach wird im Kreise von Familie und Freunden zünftig in den Kellern und Schänken der Stadt gefeiert. Das Feiergetränk an diesem Tag ist ein leichtes, mit Algen angereichtes, salziges Bier. Wer den Brauch also nicht unbedingt kennt, sollte vorsichtig sein, was er an Seefall bestellt.
Gleichwohl wurde auf gemeinsame Veranlassung des Stadtrats und des Ersten Muscheltempels eine Speisung der Armen abgehalten, denn gerade die Ärmsten der Armen hatten während der Flut an der größten Misere zu leiden. Dazu konnten die Bürger wiederum kleine Kerzenboote aus Seife kaufen, die sie dann ebenso den Fluss hinunter schicken konnten, und der Erlös ging in Gänze den Armen zu. Es heißt, der Dhonov hätte sich in der Abenddämmerung in ein Lichtermeer verwandelt.
Tags darauf, am Morgen, hielt dann Torstan Akamarinen, der Erste Bewahrer des Tempels, eine Messe am Weststrand des Dhonov ab und nahm zahlreichen neuen Pilgern das Gelübde auf die Meeresmutter ab. Prominentester Pilger dieser Zeremonie dürfte der Zweite Stadtrat Anselm van Aardt gewesen sein, der feierlich dem keridischen Glauben entsagte und die Gischtkrone Urastës annahm.
25 Juni 2018
02 April 2018
Neu Freystadt erhält neuen Namen
In einem feierlichen Akt gedenkt die Stadt der vielen Toten und Versehrten. Als Zeichen für den Neubeginn wird die Stadt in Lubeca Nova umgetauft.
Bereits lange vor Mittag läuteten die Glocken des Urastë-Tempels nahe des Wollmarktes inmitten der geschundenen Stadt. Die Herolde hatten bereits Tage zuvor verkündet und verlesen lassen, dass wichtige Beschlüsse für die Zukunft der Stadt gefasst worden seien. Entsprechend viele Bewohner hatten sich aufgemacht, um den angekündigten Worten des neuen Stadtrats zu lauschen.
Der Stadtrat hatte sich auf einer Bühne am oberen Markt den Bürgern präsentiert. Es war der frisch gewählte Erste Stadtrat, der Aelder Duncan Friedwart Gerolam, der mit lauter Stimme den Erlass verkündete:
"Tapfere Bürger! Vor nicht einmal einem halben Jahr wurden wir ins Mark getroffen, als eine vorher nie dagewesene Flut große Teile unserer Stadt hinfortgespült hat. Vieles mussten wir seitdem mühevoll wieder aufbauen, und stets haben wir uns dabei auf den Willen und den Einfallsreichtum der Bürger verlassen. Alles wäre im vergangenen Monat beinahe zunichte gemacht worden, als eine Bande von Piraten auf heimtückische Weise die Stadt ausplündern wollte. Diesmal waren es Beherztheit und große Zähigkeit der Bürger, die den Beutemachern den Erfolg verwehrten.
In diesen trubeligen Tagen eines neuen Jahres waren wir dabei nie allein. Viele von euch haben die Waren und Güter gesehen, die uns durch die Milde unserer Freunde in anderen Ländern erreicht haben. Es gab Trauer und Bedauern über unsere missliche Lage, aber auch Zuspruch und freundliche Worte für eine bessere Zukunft.
Der von euch gewählte erste Stadtrat nach der Flut hat daraus die Einsicht gewonnen, dass wir nach vorn schauen und uns neben unsere Freunde in den nahen Ländern und Küsten stellen müssen. Wir haben hier hart arbeitende Bürger und einen soliden und guten Hafen, in dem einst die Welt vor Anker ging. Wir haben gutes Land im Rücken und das Meer vor uns. Und wir haben jene, die uns beim Aufbau helfen wollen, solange es nötig ist. Sie stehen zusammen im Bund der Mittellänischen Hanse, und wir wollen, dass unsere Stadt es auch tut."
Im Laufe der weiteren Rede erörterte Stadtrat Gerolam den Willen des Stadtrats, sich dem Bund der Mittelländischen Hanse anzuschließen. In Aussicht gestellt wurde den Bürgern Anerkennung, Schutz, Handel und gedanklicher Austausch. Diese Ankündigung nahmen die versammelten Bürger freudig und mit großem Applaus auf.
Der Erste Stadtrat fuhr fort: Als Zeichen der Aufbruchs in ein neues Kapitel der Geschichte der Stadt würde man nun die alten Fesseln, die die Stadt so lange geplagt und gelähmt hatten, abwerfen und dem Dunkelmeer und den umliegenden Ländern ein neues Gesicht zeigen. Um dies zu besiegeln, habe der Stadtrat beschlossen, der Stadt einen neuen Namen zu geben:
Bereits lange vor Mittag läuteten die Glocken des Urastë-Tempels nahe des Wollmarktes inmitten der geschundenen Stadt. Die Herolde hatten bereits Tage zuvor verkündet und verlesen lassen, dass wichtige Beschlüsse für die Zukunft der Stadt gefasst worden seien. Entsprechend viele Bewohner hatten sich aufgemacht, um den angekündigten Worten des neuen Stadtrats zu lauschen.
Der Stadtrat hatte sich auf einer Bühne am oberen Markt den Bürgern präsentiert. Es war der frisch gewählte Erste Stadtrat, der Aelder Duncan Friedwart Gerolam, der mit lauter Stimme den Erlass verkündete:
"Tapfere Bürger! Vor nicht einmal einem halben Jahr wurden wir ins Mark getroffen, als eine vorher nie dagewesene Flut große Teile unserer Stadt hinfortgespült hat. Vieles mussten wir seitdem mühevoll wieder aufbauen, und stets haben wir uns dabei auf den Willen und den Einfallsreichtum der Bürger verlassen. Alles wäre im vergangenen Monat beinahe zunichte gemacht worden, als eine Bande von Piraten auf heimtückische Weise die Stadt ausplündern wollte. Diesmal waren es Beherztheit und große Zähigkeit der Bürger, die den Beutemachern den Erfolg verwehrten.
In diesen trubeligen Tagen eines neuen Jahres waren wir dabei nie allein. Viele von euch haben die Waren und Güter gesehen, die uns durch die Milde unserer Freunde in anderen Ländern erreicht haben. Es gab Trauer und Bedauern über unsere missliche Lage, aber auch Zuspruch und freundliche Worte für eine bessere Zukunft.
Der von euch gewählte erste Stadtrat nach der Flut hat daraus die Einsicht gewonnen, dass wir nach vorn schauen und uns neben unsere Freunde in den nahen Ländern und Küsten stellen müssen. Wir haben hier hart arbeitende Bürger und einen soliden und guten Hafen, in dem einst die Welt vor Anker ging. Wir haben gutes Land im Rücken und das Meer vor uns. Und wir haben jene, die uns beim Aufbau helfen wollen, solange es nötig ist. Sie stehen zusammen im Bund der Mittellänischen Hanse, und wir wollen, dass unsere Stadt es auch tut."
Im Laufe der weiteren Rede erörterte Stadtrat Gerolam den Willen des Stadtrats, sich dem Bund der Mittelländischen Hanse anzuschließen. In Aussicht gestellt wurde den Bürgern Anerkennung, Schutz, Handel und gedanklicher Austausch. Diese Ankündigung nahmen die versammelten Bürger freudig und mit großem Applaus auf.
Der Erste Stadtrat fuhr fort: Als Zeichen der Aufbruchs in ein neues Kapitel der Geschichte der Stadt würde man nun die alten Fesseln, die die Stadt so lange geplagt und gelähmt hatten, abwerfen und dem Dunkelmeer und den umliegenden Ländern ein neues Gesicht zeigen. Um dies zu besiegeln, habe der Stadtrat beschlossen, der Stadt einen neuen Namen zu geben:
Lubeca Nova
Der Name sei in Anlehnung an den Städtebund der Mercatores Lubecam, der Hanse von Lubeka, gewählt worden. Die Stadt würde dadurch zu einem glanzvollen Aushängeschild des Bundes am Dunkelmeer werden, zu einem Leuchtturm in stürmischen Zeiten. Gleichwohl versprach Stadtrat Gerolam den Bürgern ein neues Stadtrecht, das aufräumen solle mit dem alten Klüngel, eine gerechtere Neuordnung der Abgaben für Handwerker und Zünfte und die Stiftung eines würdevollen Hospitals für diejenigen, die durch die große Tragödie der Flut an Leib und Seele Schaden genommen hätten.
Alles in allem wurde die Rede des Stadtrats mit großer Neugierde und viel Zuversicht beachtet, und als nach der Rede auf dem Markt eine große Garküche für die Armen und Mittellosen eröffnet wurde, verlegten sich angeregte Gespräche und Spekulationen zusehens auf die aufgestellten Bänke in den Speisezelten oder in die Gasthäuser der Stadt.
07 März 2018
Feuertaufe am Dunkelmeer
Mit der einsetzenden Südströmung nach dem Winter kamen sie und wollten Beute machen: Eine kleinere Flottille aus schnellen Seglern wollte offenbar die Gunst der Stunde und die Verletzlichkeit einer geschundenen Stadt nutzen und sie ausplündern.
Mit schwarzen Segeln kamen sie in der noch dunklen Dämmerung. Nur die zwei angedeuteten flammenden Augen auf den Segeln ließen erkennen, dass es sich bei den Angreifern um einen Bund handeln musste. Und dieser ging schnell und jäh zu Werke. Während ein guter Teil der Flottille rasch die Mündung des Dhonov passieren und am noch in Teilen zerstörten Hafen der Isinghal (der Flussinsel) anlanden konnte, griff ein anderer Teil mit bemannten Beibooten über den Strand des Westufers und die noch beschädigten Stadtmauern an. So wollte man wohl die Stadt und deren Verteidigung in die Zange nehmen. Der Plan war sicher kühn, und er hätte auch leicht und gut gelingen können.
Die Piratenbande schien denn auch kein zusammengewürfelter Haufen aus Kielschweinen und Treibgut gewesen zu sein. Nein, es waren - das muss im Nachhinein gesagt werden - energische und entschlossene Plünderer, die da zu Werke gehen wollten; und nicht alle gehörten dem Menschenvolk an.
Womit sie aber offenbar nicht gerechnet hatten, war die Beherztheit, mit der sich die Stadt wehrte. Vermutlich rechnete die Bande immer noch mit einer verwundbaren, in ängstliche Starre verfallenen Stadt, die ihre Wunden leckte. Aber das Gegenteil war der Fall. Jenseits von allem Trubel und in aller Stille hatte der Stadtrat die Festung an der Mündung des Dhonov sowie die nötigsten Strandanlagen wieder instand setzen lassen, so dass das Moment der Überraschung, in dem sich die Angreifer wähnten, rasch gebrochen werden konnte. Von den Stadt- und Festungsmauern regnete es schnell Brandpfeile und Eisenschrot. In den engen Gassen der Unterstadt und des Burgviertels kam es dann zum Handgemenge. Am Ende eines hitzigen Vormittags kämpften Stadtwache neben der Bürgermiliz und den “Zünftigen”, einer einberufenen Schar gut zupackender Angehöriger verschiedener Handwerkszünfte. Hinzu kam, dass gerade ein bewaffneter Handelszug der Hanse von Lubeka in der Stadt war. Dieser hatten die Warenlager Stadt erst unlängst mit Wintergetreide gefüllt, und dessen “Waffenbrüder” (Anmerkung: Dies ist der Name des Geleitschutzes) fochten nun wacker Seite an Seite mit der Stadtwache und einigen “Freien” um das Untertor am Hafen.
Durch die Gassen gellten Rufe wie “Keine Beute!” und “Bürger! Lanz’ voran!” Offenbar hatte die Stadtwache mitunter Sorge, die Bürger könnten selbst zu einer wütenden Woge werden, die im Eifer in Raserei verfällt. Aber letztlich konnten alle die Beutemacher zurück an den Strand werfen, wo sie dann Hals über Kopf in ihre Beiboote flüchteten. Fast zur selben Zeit wurde das Untertor freigekämpft und die Piraten mussten auch hier klein beigeben.
Als dann die verbliebenen Segler, die fliehen wollten, mitten auf dem ruhigen Meer unter einer hohen grüngrauen Wand aus Wasser begraben wurden, war der Angriff schlussendlich vorüber und gescheitert. Die Stadt konnte aufatmen, die Wache und die Miliz hatten ihre erste Feuertaufe gegen einen beherzten Gegner bestanden.
Eher beunruhigt war man jedoch später, als man die Leiber der erschlagenen Plünderer auf dem Henkersfeld zusammentrug, um sie dort zu verbrennen. Obwohl die meisten von ihnen gewöhnliche Menschen zu sein schienen, befanden sich auch einige tote Orks und sogar Dunkelelfen unter ihnen. An ihnen fanden Inspekteure der Stadtwache dann auch die flammenden Augen als Tätowierung wieder, die vorher bereits auf den Segeln der Angreifer prangten. Da aber niemand von Amt und Stand zu wissen schien, ob und um welchen Bund es sich bei den “Feueraugen” handeln könnte, war man allenthalben ratlos und konnte wenig mehr tun als die Scheiterhaufen anzuzünden.
Trotz dieses Sieges blickt man nun sorgsam aufs Meer und die Wachen sind derzeit verdoppelt. Entweder leckt irgendwo ein angeschlagener Piratenbund seine Wunden, oder aber er sinnt auf Rache und Vergeltung. Der Stadtrat plant nun, so sagt man, die umliegenden Länder aufsuchen zu lassen, um mehr Kunde über diesen Bund zu erlangen und sich zu beraten; und auch, um die Freunde in der Region zu warnen, besonders jene, die auch Land und Städte an einer Küste halten.
Mit schwarzen Segeln kamen sie in der noch dunklen Dämmerung. Nur die zwei angedeuteten flammenden Augen auf den Segeln ließen erkennen, dass es sich bei den Angreifern um einen Bund handeln musste. Und dieser ging schnell und jäh zu Werke. Während ein guter Teil der Flottille rasch die Mündung des Dhonov passieren und am noch in Teilen zerstörten Hafen der Isinghal (der Flussinsel) anlanden konnte, griff ein anderer Teil mit bemannten Beibooten über den Strand des Westufers und die noch beschädigten Stadtmauern an. So wollte man wohl die Stadt und deren Verteidigung in die Zange nehmen. Der Plan war sicher kühn, und er hätte auch leicht und gut gelingen können.
Die Piratenbande schien denn auch kein zusammengewürfelter Haufen aus Kielschweinen und Treibgut gewesen zu sein. Nein, es waren - das muss im Nachhinein gesagt werden - energische und entschlossene Plünderer, die da zu Werke gehen wollten; und nicht alle gehörten dem Menschenvolk an.
Womit sie aber offenbar nicht gerechnet hatten, war die Beherztheit, mit der sich die Stadt wehrte. Vermutlich rechnete die Bande immer noch mit einer verwundbaren, in ängstliche Starre verfallenen Stadt, die ihre Wunden leckte. Aber das Gegenteil war der Fall. Jenseits von allem Trubel und in aller Stille hatte der Stadtrat die Festung an der Mündung des Dhonov sowie die nötigsten Strandanlagen wieder instand setzen lassen, so dass das Moment der Überraschung, in dem sich die Angreifer wähnten, rasch gebrochen werden konnte. Von den Stadt- und Festungsmauern regnete es schnell Brandpfeile und Eisenschrot. In den engen Gassen der Unterstadt und des Burgviertels kam es dann zum Handgemenge. Am Ende eines hitzigen Vormittags kämpften Stadtwache neben der Bürgermiliz und den “Zünftigen”, einer einberufenen Schar gut zupackender Angehöriger verschiedener Handwerkszünfte. Hinzu kam, dass gerade ein bewaffneter Handelszug der Hanse von Lubeka in der Stadt war. Dieser hatten die Warenlager Stadt erst unlängst mit Wintergetreide gefüllt, und dessen “Waffenbrüder” (Anmerkung: Dies ist der Name des Geleitschutzes) fochten nun wacker Seite an Seite mit der Stadtwache und einigen “Freien” um das Untertor am Hafen.
Durch die Gassen gellten Rufe wie “Keine Beute!” und “Bürger! Lanz’ voran!” Offenbar hatte die Stadtwache mitunter Sorge, die Bürger könnten selbst zu einer wütenden Woge werden, die im Eifer in Raserei verfällt. Aber letztlich konnten alle die Beutemacher zurück an den Strand werfen, wo sie dann Hals über Kopf in ihre Beiboote flüchteten. Fast zur selben Zeit wurde das Untertor freigekämpft und die Piraten mussten auch hier klein beigeben.
Als dann die verbliebenen Segler, die fliehen wollten, mitten auf dem ruhigen Meer unter einer hohen grüngrauen Wand aus Wasser begraben wurden, war der Angriff schlussendlich vorüber und gescheitert. Die Stadt konnte aufatmen, die Wache und die Miliz hatten ihre erste Feuertaufe gegen einen beherzten Gegner bestanden.
Eher beunruhigt war man jedoch später, als man die Leiber der erschlagenen Plünderer auf dem Henkersfeld zusammentrug, um sie dort zu verbrennen. Obwohl die meisten von ihnen gewöhnliche Menschen zu sein schienen, befanden sich auch einige tote Orks und sogar Dunkelelfen unter ihnen. An ihnen fanden Inspekteure der Stadtwache dann auch die flammenden Augen als Tätowierung wieder, die vorher bereits auf den Segeln der Angreifer prangten. Da aber niemand von Amt und Stand zu wissen schien, ob und um welchen Bund es sich bei den “Feueraugen” handeln könnte, war man allenthalben ratlos und konnte wenig mehr tun als die Scheiterhaufen anzuzünden.
Trotz dieses Sieges blickt man nun sorgsam aufs Meer und die Wachen sind derzeit verdoppelt. Entweder leckt irgendwo ein angeschlagener Piratenbund seine Wunden, oder aber er sinnt auf Rache und Vergeltung. Der Stadtrat plant nun, so sagt man, die umliegenden Länder aufsuchen zu lassen, um mehr Kunde über diesen Bund zu erlangen und sich zu beraten; und auch, um die Freunde in der Region zu warnen, besonders jene, die auch Land und Städte an einer Küste halten.
04 Februar 2018
Gründung des neuen Stadtrats
Rund drei Monate nach der verheerenden Novemberflut gründet sich der Stadtrat neu und legt somit ein Fundament für die neue Ordnung in der zuletzt arg geplagten Stadt.
Mit ihrer gesamten Wucht hatte die Flutwelle nicht nur Teile der Stadt zerstört, sondern auch einen Großteil der Verwaltung hinfortgespült. Das Stadtarchiv wurde zerstört und viele Schriften und Edikte sind verlorengegangen. Amtsstuben und Verliese wurden überflutet und das Mauerwerk von manch einem Schuldturm hatte stark gelitten. Zahlreiche Gildenvorsteher und Obmänner der Zünfte kamen in den Fluten zu Tode oder gelten schlicht immer noch als vermisst. Gleiches gilt für die einstigen Stadträte Godewyn Godaricsson und Erik Wienand Schuber, die nun für tot erklärt werden mussten. Mehrere andere Überlebende des alten Stadtrats haben bekundet, dass sie vorerst kein Amt ausüben können, weil sie sich um ihre Familien und Heimstätten kümmern müssen.
Das in der Woche nach der Flut notdürftig ins Leben gerufene städtische Milizwesen hat sicher das Schlimmste verhindern können, aber auch in der Stadtwache fehlte es nach der Flut an Offizieren und Richtern; und auch an der ordnenden Hand, die zum Wohle der Stadt die Geschicke lenkt. Ohne ein Stadtgremium war das schlicht nicht möglich, und der ‘alte’ Stadtrat hatte einstweilig die Ämter fortgeführt, aber auch gleichzeitig beschlossen, sich eine neue Ordnung zu geben.
Dies ist nun geschehen. Die erste Gründungssitzung des ‘neuen’ Stadtrats wurde öffentlich auf dem Hof des provisorischen Handelsmarktes abgehalten, und nachdem die Bürger ihr Begehr vortragen konnten und die designierten Stadträte ihnen Gehör geschenkt hatten, läutete Duncan Friedwart Gerolam als Aeldermann die erste Periode des neuen Stadtrats ein und verlas die ersten Statuten eben jenes Gremiums.
Während der alte Rat aus zwölf Stadträten und einer kaum noch zu überschauenden Anzahl an Beisitzern aus Gilden und Zünften bestand, teilweise in doppelter oder dreifacher Funktion, wird der neue Stadtrat lediglich fünf Mitglieder haben und sich künftig durch zwei Gremien beraten lassen, die aber keinen direkten Einfluss auf die Rechtsprechung haben sollen. Diese Gremien sollen dann künftig für jeweils vier Jahre gewählt werden.
Es sei also verkündet, dass sich der erste neue Stadtrat wie folgt konstituiert:
Die sonst so üblichen weiteren Titel und ständischen Weihegrade dieser Räte fehlen. Nach der neuen Ordnung, die angeblich an das lubekanische Stadtrecht angelehnt sein soll, darf nun kein Stadtrat einer Zunft oder Gilde angehören, zumindest nicht während seiner Zeit als Stadtrat. Man hört, dadurch solle gewährleistet werden, dass das Wohl der Stadt im Vordergrund steht.
Der Stadtrat wird beraten werden durch den Rat der Witans, Personen, die mit der Führung eines herausgehobenen Amtes betraut sind. Dies sind vornehmlich die Führung der Gemarkungen Bregarlund und Kirgrast, also der Ländereien außerhalb der Stadt, die Lenkung des Fernhandels, die Aufnahme und Pflege von Beziehungen zu anderen Ländern und die Aufsicht über das Milizwesen.
Zudem sitzen dem Stadtrat zu bestimmten Anlässen die Vertreter der größeren Gilden und Zünfte in einer beratenden Kammer bei und sollen Vorschläge für Bauvorhaben, Gesetze und Verordnungen unterbreiten. Die Anzahl dieser Beisitzer wird elf nicht überschreiten.
Alles in allem hört man, dass diese neue Stadtordnung bei den Bürgern gut ankam, waren sie doch in der Vergangenheit immer wieder die Leidtragenden im politischen Geplänkel zwischen Gilden, Zünften und städtischen Würdenträgern. Mit diesem wichtigen Schritt sind nun natürlich nicht alle Umstände der vergangenen Monate ungeschehen gemacht worden, aber mit einer neuen Stadtverwaltung geht das Signal einher, dass es bergauf geht für die Bürger und für die Stadt; und angeblich tagt der Stadtrat sogleich weiter, um noch vor dem nahenden Frühling erste Verordnungen und Edikte zu verabschieden.
Mit ihrer gesamten Wucht hatte die Flutwelle nicht nur Teile der Stadt zerstört, sondern auch einen Großteil der Verwaltung hinfortgespült. Das Stadtarchiv wurde zerstört und viele Schriften und Edikte sind verlorengegangen. Amtsstuben und Verliese wurden überflutet und das Mauerwerk von manch einem Schuldturm hatte stark gelitten. Zahlreiche Gildenvorsteher und Obmänner der Zünfte kamen in den Fluten zu Tode oder gelten schlicht immer noch als vermisst. Gleiches gilt für die einstigen Stadträte Godewyn Godaricsson und Erik Wienand Schuber, die nun für tot erklärt werden mussten. Mehrere andere Überlebende des alten Stadtrats haben bekundet, dass sie vorerst kein Amt ausüben können, weil sie sich um ihre Familien und Heimstätten kümmern müssen.
Das in der Woche nach der Flut notdürftig ins Leben gerufene städtische Milizwesen hat sicher das Schlimmste verhindern können, aber auch in der Stadtwache fehlte es nach der Flut an Offizieren und Richtern; und auch an der ordnenden Hand, die zum Wohle der Stadt die Geschicke lenkt. Ohne ein Stadtgremium war das schlicht nicht möglich, und der ‘alte’ Stadtrat hatte einstweilig die Ämter fortgeführt, aber auch gleichzeitig beschlossen, sich eine neue Ordnung zu geben.
Dies ist nun geschehen. Die erste Gründungssitzung des ‘neuen’ Stadtrats wurde öffentlich auf dem Hof des provisorischen Handelsmarktes abgehalten, und nachdem die Bürger ihr Begehr vortragen konnten und die designierten Stadträte ihnen Gehör geschenkt hatten, läutete Duncan Friedwart Gerolam als Aeldermann die erste Periode des neuen Stadtrats ein und verlas die ersten Statuten eben jenes Gremiums.
Während der alte Rat aus zwölf Stadträten und einer kaum noch zu überschauenden Anzahl an Beisitzern aus Gilden und Zünften bestand, teilweise in doppelter oder dreifacher Funktion, wird der neue Stadtrat lediglich fünf Mitglieder haben und sich künftig durch zwei Gremien beraten lassen, die aber keinen direkten Einfluss auf die Rechtsprechung haben sollen. Diese Gremien sollen dann künftig für jeweils vier Jahre gewählt werden.
Es sei also verkündet, dass sich der erste neue Stadtrat wie folgt konstituiert:
- Erster Stadtrat (Aelder) Duncan Friedwart Gerolam
- Zweiter Stadtrat Anselm van Aardt
- Dritte Stadträtin Nerana Simatheon
- Vierter Stadtrat Mikka Vholny Sankharim
- Fünfter Stadtrat Brent Sassner
Die sonst so üblichen weiteren Titel und ständischen Weihegrade dieser Räte fehlen. Nach der neuen Ordnung, die angeblich an das lubekanische Stadtrecht angelehnt sein soll, darf nun kein Stadtrat einer Zunft oder Gilde angehören, zumindest nicht während seiner Zeit als Stadtrat. Man hört, dadurch solle gewährleistet werden, dass das Wohl der Stadt im Vordergrund steht.
Der Stadtrat wird beraten werden durch den Rat der Witans, Personen, die mit der Führung eines herausgehobenen Amtes betraut sind. Dies sind vornehmlich die Führung der Gemarkungen Bregarlund und Kirgrast, also der Ländereien außerhalb der Stadt, die Lenkung des Fernhandels, die Aufnahme und Pflege von Beziehungen zu anderen Ländern und die Aufsicht über das Milizwesen.
Zudem sitzen dem Stadtrat zu bestimmten Anlässen die Vertreter der größeren Gilden und Zünfte in einer beratenden Kammer bei und sollen Vorschläge für Bauvorhaben, Gesetze und Verordnungen unterbreiten. Die Anzahl dieser Beisitzer wird elf nicht überschreiten.
Alles in allem hört man, dass diese neue Stadtordnung bei den Bürgern gut ankam, waren sie doch in der Vergangenheit immer wieder die Leidtragenden im politischen Geplänkel zwischen Gilden, Zünften und städtischen Würdenträgern. Mit diesem wichtigen Schritt sind nun natürlich nicht alle Umstände der vergangenen Monate ungeschehen gemacht worden, aber mit einer neuen Stadtverwaltung geht das Signal einher, dass es bergauf geht für die Bürger und für die Stadt; und angeblich tagt der Stadtrat sogleich weiter, um noch vor dem nahenden Frühling erste Verordnungen und Edikte zu verabschieden.
28 Dezember 2017
Provisorischer Handelsmarkt gegründet
Der
Stadtrat gibt die Gründung eines provisorischen Handelsmarktes bekannt. Interessierte Händler können sich an die Magistratur oder einen Beauftragten der Stadt wenden, wenn sie willens und imstande sind, dringend benötigte Waren in die Stadt
zu bringen.
Händler können ab sofort Aufträge der Stadt entgegen nehmen. Diese
sogenannten Handelskontrakte haben dann ein bestimmtes Volumen und werden für den Aufbau der
Stadt ausgeschrieben. Die Waren werden dringend benötigt. Besagte Händler können diese Kontrakte gegen eine
symbolische Zeichnungsgebühr von zehn Unzen Silber erwerben. Mit der Annahme verpflichten sie sich, das vereinbarte
Volumen an Waren innerhalb einer frei zu wählenden Frist in die Stadt
zu verbringen und auf dem Großen Marktplatz beim Magistrat zu löschen.
Derzeitig hat der Magistrat Kontrakte für folgende Waren ausgegeben:
1. Baufähiges Holz
2. Baufähiger Stein
3. Bitumen
4. Rohe Wolle
5. Gewöhnliche Tuchstoffe
6. Wintergetreide
Die einzelnen Handelskontrakte können beim Provisorischen Handelsmarkt eingesehen werden. Dort ist man auch gehalten, sich einzuschreiben und dort können Händler auch die einzelnen Kontrakte zeichnen.
Händler, die beabsichtigen, andere Waren in die Stadt zu bringen und dort zu verhandeln, sind aufgefordert, sich mit ihrem Begehr ebenfalls an den Magistrat des Handelsmarktes zu wenden.
gezeichnet, der Stadtrat
Händler können ab sofort Aufträge der Stadt entgegen nehmen. Diese
sogenannten Handelskontrakte haben dann ein bestimmtes Volumen und werden für den Aufbau der
Stadt ausgeschrieben. Die Waren werden dringend benötigt. Besagte Händler können diese Kontrakte gegen eine
symbolische Zeichnungsgebühr von zehn Unzen Silber erwerben. Mit der Annahme verpflichten sie sich, das vereinbarte
Volumen an Waren innerhalb einer frei zu wählenden Frist in die Stadt
zu verbringen und auf dem Großen Marktplatz beim Magistrat zu löschen.Derzeitig hat der Magistrat Kontrakte für folgende Waren ausgegeben:
1. Baufähiges Holz
2. Baufähiger Stein
3. Bitumen
4. Rohe Wolle
5. Gewöhnliche Tuchstoffe
6. Wintergetreide
Die einzelnen Handelskontrakte können beim Provisorischen Handelsmarkt eingesehen werden. Dort ist man auch gehalten, sich einzuschreiben und dort können Händler auch die einzelnen Kontrakte zeichnen.
Händler, die beabsichtigen, andere Waren in die Stadt zu bringen und dort zu verhandeln, sind aufgefordert, sich mit ihrem Begehr ebenfalls an den Magistrat des Handelsmarktes zu wenden.
gezeichnet, der Stadtrat
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