17 August 2019

Handelsmesse von Bregarlund ein Erfolg

Anfang Augusti ging im Hinterland von Lubeca Nova die erste nach der großen Flut veranstaltete Handelsmesse zu Ende. 

Genauer gesagt geschah dies in der Gemarkung Bregarlund an der Wegscheide halb ab vom Borgasee und dem Trampelpfad, der auf Umwegen ins Königreich Stauchen führt. Dorthin hatte Ornas Gresund, der Witan von Bregarlund, zahllose Gäste geladen, um gemeinsam Möglichkeiten zu erörtern, für die Stadt Lubeca Nova die Rohstoffe dieser Region zu erschließen. Dem Rufe gefolgt waren Händler, Gelehrte und Baumeister, so dass an eben jener Wegscheide fast schon ein kleines Zeltdorf entstanden war, mit allerlei wunderlichen Gerätschaften und Kartentischen zwischen den Zelten und den fünf größeren Holzbuden und der großen Bühne, die extra für diese Messe zusammengezimmert wurden.

Große Länder und Zünfte waren hier vertreten, aber auch kleine Abordnungen und Gesellen aus verschiedensten Teilen des Lubecaner Landes, wie auch von weiter her. So waren zum Beispiel auch Vertreter des Åaleruner Bundes zugegen, die den Weg über das Dunkelmeer angetreten waren, um Zeuge dieser Messe zu werden und sich in der Pflege hanseatischer Beziehungen zu üben. Der Åaleruner Bund trat zu Jahresbeginn der Hanse von Lubeca bei.

Mit zu den geladenen Gästen zählte auch eine Abordnung einer lockeren Gemeinschaft, die entlang eines nahe gelegenen Waldes zu leben pflegt. Man könnte sie als eine Art Holzfällergilde beszeichnen, wenn man einen „städtischen“ Titel suchen würde. Witan Gresund hatte vorgeschlagen, dass eben jene Gemeinschaft durch das Schlagen von Holz und das Köhlern einen wichtigen Beitrag für das Wachstum der Stadt Lubeca Nova leisten könnte und machte ein entsprechendes Angebot.

Die Verhandlungen erwiesen sich allerdings als zäh, da die Axtleute der Stadt wenig abgewinnen konnten und nicht so recht interessiert schienen, für ein größeres Ganzes werken zu wollen. Dank der geschickten Vermittlung einiger anwesender Kaufleute und Gelehrte konnten sie am Ende jedoch überzeugt werden, es immerhin auf ein Jahr und einen Tag hin zu versuchen. Im Gegenzug sicherte Witan Gresund dem Fürsprecher zu, der Gemeinschaft hinsichtlich Ackerbau und Bewässerung entsprechendes Wissen und nötige Werkzeuge zukommen zu lassen. Man wurde sich einig. Am Ende wurde der Ausgang dieser Verhandlungen gebührlich gefeiert.

Der übrige Teil der Handelsmesse bestand dann darin, dass sich die angereisten Gäste ein Bild von den Rohstoffen des Bregarlunder Landes machen konnten, insbesondere von den starken Hölzern und der ergiebigen Kohle, die durch die Köhlerei gewonnen wird. Auf der anderen Seite hatten auch einige Architekten und Baumeister ihre Pläne aus anderen Ländern mitgebracht und verwiesen voller Stolz auf den Fortschritt, der mit dem Bau Einzug ins Land halten würde. Ornas Gresund war allem Vernehmen nach sehr zufrieden mit dem Verlauf der Messe.

Die meisten Augen und nicht wenig Staunen lagen aber sicherlich auf einer gar merkwürdigen Konstruktion, die für die Handelsmesse eigens von einer Gruppe, die sich die Ma'shyn nennen, über mehrere Tage errichtet wurde. Augenzeugen berichten von einem kreisrunden Gestell, in dem eine ebenso runde Röhre aus Metall gelegt ward, ähnlich einer Regenröhre. In der Mitte sah man einen großen Kessel, der durch allerlei Pfeifen und Dampfen auf sich aufmerksam machte. Dem sichtlich neugierigen Witan Gresund wurde dann auch unumwunden mitgeteilt, die Apparatur könne bei präziser Ausrichtung entweder die Borke und Rinde von den gesägten Stämmen waschen oder gar verschiedene Erze aus Gestein lösen, und zwar ohne stinkende Lauge. Die Begründungen dafür müssen wohl die meisten Gelehrten in Erstaunen versetzt haben, denn an dieser Apparatur entzündeten sich so manche Zankereien bei mehr als einem Humpen Bockbier. Nicht zuletzt die zwei Gesandten der Gilde der Arkanen Künste hatten stets zweifelnde bis abfällige Blicke für die Konstruktion übrig und beäugten sie angeblich immer nur aus gehöriger Distanz. Vielleicht zu recht.

Das tatsächliche Ausprobieren dieser Apparatur musste den Ma'shyn allerdings untersagt werden, da sich nach Meinung der Messekomission noch zu viele andere Bauten und Gerätschaften von den angereisten Gästen auf dem Gelände befanden. Immerhin stand dort zuviel, was hätte beschädigt werden können. Nach der Messe jedoch, so hört man, wolle man sich eingehender mit diesem „Ding“ beschäftigen. Auch hier munkelte man, wäre die Gilde der Arkanen Künste nicht ganz unbeteiligt an diesem Entschluss gewesen.

Zu guter Letzt fand mit einer gemeinsamen Messe durch Bewahrer Helgan Ohse vom Ersten Muscheltempel am Sonntagmittag die Handelsmesse ihren Abschluss, und die Angereisten wurden mit dem Segen der Meeresmutter Urastë in ihre Länder verabschiedet.

Die Messe war letztlich so erfolgreich, dass Gresund an eben jener Wegscheide die Gründung eines neuen Weilers verkündete und den Aufbau in die Hände eben jener Axtmänner legte, die seit jeher am nahen Wald lebten. Zum Anlass passend nahm Bewahrer Ohse einen im Gehölz verfallenen Schrein aus alten Tagen für die Meeresmutter in Besitz, weihte so diesen Ort und bat die Göttin Urastë um ihren Segen für die Gründung der neuen Siedlung. Die Axtmänner waren bei dieser Segnung schon nicht mehr anwesend. Einige sagen, sie hätten rasch in ihre Hütten zurückkehren wollen. Andere lästerten hinter vorgehaltener Hand, dass zwei Tage Zivilisation und Fortschritt vielleicht doch zu viel für ein so einfaches Volk gewesen sein mögen.

Wie dem auch sei: Mit der Gründung eines Weilers in einem an Rohstoffen reichen Teil der Gemarkung war die Handelsmesse ein voller Erfolg und Ornas Gresund hat seinen ersten größeren Erfolg, den er im Stadtrat Lubeca Novas verkünden kann.



07 Dezember 2018

Åaleruner Bund tritt der Hanse von Lubeka bei

Nach intensiven Verhandlungen wird verkündet, dass die Hanse von Lubeka mit dem Beginn des neuen Jahres ein weiteres Mitglied zu verzeichnen hat.

Über den Stadtrat von Lubeca Nova machen derzeitig erfreuliche Neuigkeiten die Runde. Erst unlängst hatten Händler von den östlichen Gestaden des Dunkelmeeres die Feierlichkeiten des lubecanischen Gedenktages anlässlich der großen Flut besucht. Während man sich eigentlich immer über den Besuch von Fernhändlern freut in der Stadt, hatte deren Besuch zuletzt auch die Frage ausgelöst, ob mehr dahinter stecke würde, als eben nur zeremonielle Nächstenliebe. Nun haben sich schlussendlich allerlei Gerüchte bestätigt: Nach intensiven Verhandlungen, die allesamt in Lubeca Nova stattfanden, hat sich der erst jüngst gegründete Åaleruner Bund entschlossen, mit dem ersten Tage des neuen Jahres 1219 der Hanse von Lubeka beizutreten.

Dass Lubeca Nova die Ehre zukam, Ort der Verhandlungen zu sein, die übrigens allesamt im Geheimen stattgefunden haben müssen, darf als großer Vertrauensbeweis des Obmanns der Hanse von Lubeka, Aelder Harder von Reedingbuc, angesehen werden. Immerhin war er selbst auch bis zuletzt vor Ort, um die Aufnahme des Åaleruner Bundes persönlich einzuleiten.

Dem Unkundigen sei an dieser Stelle gesagt, dass Åalerun ein Landstrich an den östlich der Stadt Lubeca Nova gelegenen Ufern des Dunkelmeeres ist, also fernab auf dem als “Stiefel” bekannten großen Landzipfels der Mittellande, wo es in Richtung des Königreiches Aturien geht. Bis vor Kurzem war dies ein weitestgehend unerschlossenes Land, in dem es mehrere lose und verstreute Siedlungen gibt. Es gäbe einen Küstenort, nicht mehr als ein Fischerdorf sowie eine Straße, die landeinwärts gen Aturien führt, so hört man. Dennoch, auf das Wirken eines merkantilen Rates hin haben sich eben jene losen Siedlungen zum Åaleruner Bund zusammengeschlossen. Dessen Ziel sei es, dem Lande mehr Stabilität und auch Zugang zu den am Dunkelmeer entstehenden Märkten und Routen zu geben.

Dass das Land und vor allem die Küste dort als sehr reichhaltig gelten, war für die Hanse sicherlich ein wichtiger Grund, der Aufnahme so rasch zuzustimmen. Åaleruner Dorsch und Hering sind bereits hinlänglich bekannte kulinarische Köstlichkeiten entlang der Küsten des Dunkelmeeres.

Man munkelt allerdings hinter vorgehaltener Hand, dass dieser Bund auch einen handfesteren Zweck hat. Im Åaleruner Land scheint sich ein Baron Zug um Zug eben jene Länder und Siedlungen einverleiben zu wollen, um sie dann unter seinem “Schutz” zu einen. Besonderes Augenmerk scheint er dabei schon jetzt auf die kleineren Orte an der Küste gelegt zu haben. Die Wahl seiner Mittel, so sagt man, sei dabei recht skrupellos, so dass sich die Siedlungen dort gezwungen sahen, sich im Bund Schutz und Wehr zuzusprechen. Inwieweit dies nun als neues Mitglied der Hanse von Lubeka noch von Relevanz werden wird, darf wohl abzuwarten sein. 




28 November 2018

Ein Tag des Gedenkens

Am ersten Jahrestag der großen Novemberflut begingen die Bürger Lubeca Novas einen Tag des Gedenkens und der Besinnung.

Ist es wirklich schon ein Jahr her? Schien es nicht erst letztens, als die große Flutwelle den Dhonov hinab raste und große Teile der Stadt mit sich ins Meer riss? In der Tat, misst man die Anzahl an Tagen seit der schweren Flut, scheint es noch nicht lange her.

Tatsächlich war es aber vor mehr als einem Jahr, am sechsten Novembri 1217, als sich die Wassermassen den Dhonov entlang wälzten und unzählige Bewohner der Stadt mit in den nassen Tod rissen. Jetzt, zwölf Monate nach der Katastrophe, konnte der Stadtrat dem Wort “unzählig” eine traurige Zahl geben: mehr als achttausend Seelen haben in jener Nacht das Leben gelassen oder sind später an den Folgen dieses schweren Unglücks gestorben.

Seitdem hat der neu gewählte Stadtrat und eine Heerschar an Freunden und Helfern nichts unversucht gelassen, um das Leid in der Stadt zu lindern.Geht man heute durch die Gassen und über die Plätze der Stadt, will einem scheinen, das ganze Unheil sei erst kürzlich über die Stadt herein gebrochen. Der alte Hafen auf der Isinghal, der Flussinsel, liegt noch immer unter Wasser, ebenso das Hafenviertel, das ehemals “verrchte Herz” der Stadt. In den handwerksvierteln werden etliche der sogenannten Gruben, den ehemaligen Zunfthöfen, immer noch von Unrat und Abfall freigeräumt. Stadtwache und auch angeheuerte Bewaffnete patrouillieren immer noch die Höfe rund ums Burgenviertel und die Tempelanlagen, und überall sieht man Baumeister und Vorarbeiter mit Messleisten, Karten und Zirkel die neu anzulegenden Gassen ausmessen.

Um diesem tragischen Ereignis, vor allem aber auch den daraus erwachsenen Hilfeleistungen und Freundschaftsbekundungen Rechnung zu tragen, hat der Stadtrat einstimmig beschlossen, den sechsten Novembri künftig als “Tag des Gedenkens” zu begehen. An diesem Tage, so lautet das Edikt, soll die Arbeit ruhen, die Armen verköstigt und der Blick nach innen gerichtet werden. Nach innen heißt, die Menschen sollen innehalten und sich wieder gewahr werden, dass das Meer und das Wasser die bestimmenden und manchmal schicksalhaften Größen an der Küste darstellen. Die Menschen am Dhonov sollen sich wieder auf die Mutter Urastë besinnen, die nicht nur die Mutter des Meeres ist, sondern auch die Bewahrerin dessen, was die Alten der Stadt immer noch das “untere Wasser” nennen, die tiefen, unergründlichen Quellen aller Seen und Flüsse.

Und so kam es, dass am sechsten Novembri, am ersten Tag des Gedenkens, die Stadt ihrer Opfer gedachte. In einer großen Prozession schritten die Bewahrer des Muscheltempels vom Tempelviertel über das Burgenviertel und dann hinunter zum Meer, und viele, viele Bürger und Angereiste folgten ihnen. Dort hinter der muschelbewachsenen Seemauer, entlang der Dünen, war es, wo der Erste Bewaher Torstan Akamarinen den heiligen Muschelkelch Urastës mit frischem Seewasser füllte und vor den Augen der Versammelten in einen grün sprudelnden Gischtbrunnen verwandelte; eben jenen legendären Kelch, den der Erneuerer und Begründer Kirek sil’Silanesh als Zeichen des Bundes vor hunderten von Jahren von der Meeresgöttin selbst erhalten hatte. Im Anschluss an die Prozession und Messe nahm der Bewahrer dann etliche Männer und Frauen in den Kult der Meeresgöttin auf, bevor schließlich die Armen der Stadt in den Zelten am Strand verköstigt und mit milden Gaben bedacht wurden.

Dem Gedenktag Lubeca Novas wohnten auch zahlreiche Gäste aus dem Ausland bei. Vertreter der Königreiche Stauchens und Burgunds sowie des Fürstentums Durée-Caresse und der Gemarkung Fälisch Luchsenstein wurden unter den Anwesenden gesehen. Interessanterweise waren auch einige Vertreter des Åaleruner Bundes zugegen. Zuletzt hörte man in Ratskreisen, in dieser jungen Region der östlichen Küste des Dunkelmeeres hätte sich ein Bund aus Händlern zusammengeschlossen und würde sich für einen Beitritt zur Hanse interessieren. Vielleicht wird man deshalb künftig öfter Leute aus diesem Landstrich in der Stadt treffen. In jedem Falle, so hört man, haben sich die Åaleruner kräftig an der Armenspeisung beteiligt und auch großzügig dem Muscheltempel gespendet.




10 September 2018

Erster Hansetag geht zu Ende

Am neunten Septembri 1218 ging im burgundischen Blankenberg der erste offizielle Hansetag der vor drei Jahren gegründeten Mittelländischen Hanse zu Ende. 

Der Anlass hätte würdiger nicht sein können. Zahlreiche Vertreter der Gründungsmitglieder der Hanse hatten sich neben anderen Gästen der Stände und der merkantilen Gilden zusammengefunden, um das im Jahe 1215 gelegte Fundament eines gemeinsamen Handelsbundes erneut zu bekräftigen und um wichtige Verordnungen und Beschlüsse zu erweitern. Geladen hatte das Königreich Burgund bereits im letzten Jahr anlässlich eines Empfangs im Königreich Stauchen, und nun war es soweit.

Zugegen waren nun unter anderem Vertreter des Königreichs Burgund, des Fürstentums Durée Caresse, des Fürstentums Zarorien, der Hanse von Lubeka, des Fürstentums Aranien, des Fürstentums Trigardon sowie des Herzogtums Sachsen. Hinzu kamen verschiedene Gäste, die für ihre Gilden, Zünfte und Städte ein Beiwohn- und Hörrecht erhalten hatten, um sich ein Bild von den Absichten der Hanse zu machen. Man muss allerdings auch erwähnen, dass viele andere Vertreter übriger Mitgliedsländer und Organisationen diesem Hansetag trotz mehrfacher Einladung ferngeblieben waren, vermutlich, weil sie durch Krieg oder andere unbillige Ereignisse ihre Aufmerksamkeit anderen Dingen schenken mussten. Zumindest hoffte man, dass dies so sei.

Der Senat der Hanse konstituierte sich nun zum ersten Male und gab sich, so hört man, im Sinne der Gründungsurkunde von Fryeburg seine erste Geschäfts- und Hanseordnung. Diese beinhaltet nun künftig Artikel wie die Aufnahme neuer Mitglieder in die Hanse, die Ausgestaltung der Arbeit der sogenannten Muntskammer, des wichtigsten künftigen Beschlussgremiums, der Ausführung eines Anhör- und Schlichtungsverfahrens, des Ausschlusses bestehender Mitgliedsländer sowie der Ausrichtung künftiger Hansetage und Arbeitstreffen.

Im Anschluss an die Verabschiedung dieser Hanseordnung wählte der Senat dann die obersten Verwaltungsämter der Mittelländischen Hanse, den Obmann und seine zwei Witten. Die Wahl des Obmanns fiel dabei auf Baron Ziridor von Thaluba de Firente, der auch schon für den lubekanischen Städtebund das Senatorenamt bekleidet. Die Wahl der beiden Witten fiel sodann auf Herzog Christian von Blankenberg aus dem Königreich Burgund und Reichsgraf Sieghard von Zaro aus dem Fürstentum Zarorien, beide ebenfalls schon lange im Amte des Senators. Die Ämter wurden jeweils auf zwei Jahre gewählt, und dann hieß es an die Arbeit.

Der Senat hatte nämlich auch bereits vor, mehrere Beschlüsse zu fassen, unter anderem betreffend der Sicherheit auf Hansestraßen und darüber hinaus, betreffend eines gemeinsamen Hansewappens, ebenso ein gemeinsames Kartenwerks, einer gemeinsamen Währungsverrechnung und einer abgestimmten Gewichts- und Maßeordnung und schlussendlich auch bezüglich der Festschreibung von Regularien für neue Mitglieder. Mit Abschluss dieses Bündels sah man sich auf gutem Weg, so heißt es, und die Senatoren nahmen alsdann auch an den gebotenen Festivitäten des Hansetages teil.

Neben all den Konsultationen und Vertragsabschlüssen gab es nämlich auch viel Kurzweil und Gaumengenuss höchster Güte. Auf der einen Seite lockten immer wieder Tanz und gesellige Spiele, wie etwa das berüchtigte "Karavellen versenken", während auf der anderen Seite zu Krustenbraten, Knödeln, gesüßten Milchbrötchen und Apfelschmaus geladen wurde. Ein wahrliches Wunder, dass die Senatoren da tatsächlich zu ihren Besprechungen gekommen waren.


25 Juni 2018

Lubeca Nova feiert das Seefallfest

Am 20 Juno war es soweit: Die ganze Stadt feierte auf Wunsch des Ersten Muscheltempels das Seefallfest, den Hochfeiertag der Meeresmutter Urastë. 

Es sollte ein weiteres Zeichen sein, dass die Stadt nach Normalität und einem geordneten Leben strebt, etwas mehr als ein halbes Jahr nach der Novemberflut. Der Muscheltempel ist eines der ältesten Bauwerke auf dem Stadtgrund überhaupt und hatte während der verheerenden Flut so gut wie keine Schäden erlitten. Und seit der Zeit des Wiederaufbaus hatten sich die Priester der Meeresmutter immer wieder den Leidenden und denen ohne Obdach angenommen. Dabei war der Glaube an Urastë lange Zeit in den Hintergrund getreten, denn der rasante Aufbau der Stadt im vergangenen Jahrzehnt hatte auch zahlreiche andere Kulte über die Stadt gebracht. Und der Urastëkult schon immer eine der ursprünglichsten und ältesten Religionen an der Küste. Viele alteingesessene Fischer und deren Familien sagen auch heute noch, die Mutter sei einst über das Meer gekommen und habe der Küste die Schätze der See gebracht. Und so mancher Fernfahrer zündet Kerzen im Tempel an, wenn die Mutter der Stürme wohl gesonnen war und die Schiffe sicher wieder im Hafen ankern.

An Seefall nun bereiten die Menschen auf Geheiss des Tempels ihre Wünsche und Gebete für Urastë vor und da die Göttin auf See weilt, haben die Priester alter Tage einen Ritus erdacht, wie diese Wünsche ihr Ziel erreichen können: Die Menschen schreiben sie auf ein Stück Papier oder nehmen einige Dinge, die ihren Wünschen Symbolkraft verleihen. Diese wiederum backen sie dann in einen muschelförmigen Teig. Sie nehmen diese Teigmuscheln dann mit hinunter an die Ufer des Dhonov, die am Feiertag mit blauen und grünen Girlanden geschmückt sind. Die Priester der Meeresmutter sprechen dann ihren Segen über die Teigmuscheln und heissen die Menschen, sie in den Dhonov zu setzen. Der Brauch schreibt vor, dass dies in Gruppen getan wird, und so versammeln sich dann oft große Menschentrauben singend am Ufer, während sie die gebackenen Muscheln auf das Wasser setzen, auf dass sie mit der Strömung gen Mündung und Meer schwimmen. Der Teig löst sich dann bald im Meer auf und gibt die Wünsche der Menschen an die Meeresmutter Preis. Damit gedenken die Menschen auch dem Meer, aus dem Urastë ihnen in alten Tagen erschienen ist und die sie lehrte, die Schätze des Meeres weise zu nutzen.

Und danach wird im Kreise von Familie und Freunden zünftig in den Kellern und Schänken der Stadt gefeiert. Das Feiergetränk an diesem Tag ist ein leichtes, mit Algen angereichtes, salziges  Bier. Wer den Brauch also nicht unbedingt kennt, sollte vorsichtig sein, was er an Seefall bestellt. 


Gleichwohl wurde auf gemeinsame Veranlassung des Stadtrats und des Ersten Muscheltempels eine Speisung der Armen abgehalten, denn gerade die Ärmsten der Armen hatten während der Flut an der größten Misere zu leiden. Dazu konnten die Bürger wiederum kleine Kerzenboote aus Seife kaufen, die sie dann ebenso den Fluss hinunter schicken konnten, und der Erlös ging in Gänze den Armen zu. Es heißt, der Dhonov hätte sich in der Abenddämmerung in ein Lichtermeer verwandelt.

Tags darauf, am Morgen, hielt dann Torstan Akamarinen, der Erste Bewahrer des Tempels, eine Messe am Weststrand des Dhonov ab und nahm zahlreichen neuen Pilgern das Gelübde auf die Meeresmutter ab. Prominentester Pilger dieser Zeremonie dürfte der Zweite Stadtrat Anselm van Aardt gewesen sein, der feierlich dem keridischen Glauben entsagte und die Gischtkrone Urastës annahm.



02 April 2018

Neu Freystadt erhält neuen Namen

In einem feierlichen Akt gedenkt die Stadt der vielen Toten und Versehrten. Als Zeichen für den Neubeginn wird die Stadt in Lubeca Nova umgetauft.

Bereits lange vor Mittag läuteten die Glocken des Urastë-Tempels nahe des Wollmarktes inmitten der geschundenen Stadt. Die Herolde hatten bereits Tage zuvor verkündet und verlesen lassen, dass wichtige Beschlüsse für die Zukunft der Stadt gefasst worden seien. Entsprechend viele Bewohner hatten sich aufgemacht, um den angekündigten Worten des neuen Stadtrats zu lauschen. 

Der Stadtrat hatte sich auf einer Bühne am oberen Markt den Bürgern präsentiert. Es war der frisch gewählte Erste Stadtrat, der Aelder Duncan Friedwart Gerolam, der mit lauter Stimme den Erlass verkündete:

"Tapfere Bürger! Vor nicht einmal einem halben Jahr wurden wir ins Mark getroffen, als eine vorher nie dagewesene Flut große Teile unserer Stadt hinfortgespült hat. Vieles mussten wir seitdem mühevoll wieder aufbauen, und stets haben wir uns dabei auf den Willen und den Einfallsreichtum der Bürger verlassen. Alles wäre im vergangenen Monat beinahe zunichte gemacht worden, als eine Bande von Piraten auf heimtückische Weise die Stadt ausplündern wollte. Diesmal waren es Beherztheit und große Zähigkeit der Bürger, die den Beutemachern den Erfolg verwehrten.

In diesen trubeligen Tagen eines neuen Jahres waren wir dabei nie allein. Viele von euch haben die Waren und Güter gesehen, die uns durch die Milde unserer Freunde in anderen Ländern erreicht haben. Es gab Trauer und Bedauern über unsere missliche Lage, aber auch Zuspruch und freundliche Worte für eine bessere Zukunft.

Der von euch gewählte erste Stadtrat nach der Flut hat daraus die Einsicht gewonnen, dass wir nach vorn schauen und uns neben unsere Freunde in den nahen Ländern und Küsten stellen müssen. Wir haben hier hart arbeitende Bürger und einen soliden und guten Hafen, in dem einst die Welt vor Anker ging. Wir haben gutes Land im Rücken und das Meer vor uns. Und wir haben jene, die uns beim Aufbau helfen wollen, solange es nötig ist. Sie stehen zusammen im Bund der Mittellänischen Hanse, und wir wollen, dass unsere Stadt es auch tut."

Im Laufe der weiteren Rede erörterte Stadtrat Gerolam den Willen des Stadtrats, sich dem Bund der Mittelländischen Hanse anzuschließen. In Aussicht gestellt wurde den Bürgern Anerkennung, Schutz, Handel und gedanklicher Austausch. Diese Ankündigung nahmen die versammelten Bürger freudig und mit großem Applaus auf.

Der Erste Stadtrat fuhr fort: Als Zeichen der Aufbruchs in ein neues Kapitel der Geschichte der Stadt würde man nun die alten Fesseln, die die Stadt so lange geplagt und gelähmt hatten, abwerfen und dem Dunkelmeer und den umliegenden Ländern ein neues Gesicht zeigen. Um dies zu besiegeln, habe der Stadtrat beschlossen, der Stadt einen neuen Namen zu geben:


Lubeca Nova


Der Name sei in Anlehnung an den Städtebund der Mercatores Lubecam, der Hanse von Lubeka, gewählt worden. Die Stadt würde dadurch zu einem glanzvollen Aushängeschild des Bundes am Dunkelmeer werden, zu einem Leuchtturm in stürmischen Zeiten. Gleichwohl versprach Stadtrat Gerolam den Bürgern ein neues Stadtrecht, das aufräumen solle mit dem alten Klüngel, eine gerechtere Neuordnung der Abgaben für Handwerker und Zünfte und die Stiftung eines würdevollen Hospitals für diejenigen, die durch die große Tragödie der Flut an Leib und Seele Schaden genommen hätten.

Alles in allem wurde die Rede des Stadtrats mit großer Neugierde und viel Zuversicht beachtet, und als nach der Rede auf dem Markt eine große Garküche für die Armen und Mittellosen eröffnet wurde, verlegten sich angeregte Gespräche und Spekulationen zusehens auf die aufgestellten Bänke in den Speisezelten oder in die Gasthäuser der Stadt.



07 März 2018

Feuertaufe am Dunkelmeer

Mit der einsetzenden Südströmung nach dem Winter kamen sie und wollten Beute machen: Eine kleinere Flottille aus schnellen Seglern wollte offenbar die Gunst der Stunde und die Verletzlichkeit einer geschundenen Stadt nutzen und sie ausplündern. 

Mit schwarzen Segeln kamen sie in der noch dunklen Dämmerung. Nur die zwei angedeuteten flammenden Augen auf den Segeln ließen erkennen, dass es sich bei den Angreifern um einen Bund handeln musste. Und dieser ging schnell und jäh zu Werke. Während ein guter Teil der Flottille rasch die Mündung des Dhonov passieren und am noch in Teilen zerstörten Hafen der Isinghal (der Flussinsel) anlanden konnte, griff ein anderer Teil mit bemannten Beibooten über den Strand des Westufers und die noch beschädigten Stadtmauern an. So wollte man wohl die Stadt und deren Verteidigung in die Zange nehmen. Der Plan war sicher kühn, und er hätte auch leicht und gut gelingen können.

Die Piratenbande schien denn auch kein zusammengewürfelter Haufen aus Kielschweinen und Treibgut gewesen zu sein. Nein, es waren - das muss im Nachhinein gesagt werden - energische und entschlossene Plünderer, die da zu Werke gehen wollten; und nicht alle gehörten dem Menschenvolk an.

Womit sie aber offenbar nicht gerechnet hatten, war die Beherztheit, mit der sich die Stadt wehrte. Vermutlich rechnete die Bande immer noch mit einer verwundbaren, in ängstliche Starre verfallenen Stadt, die ihre Wunden leckte. Aber das Gegenteil war der Fall. Jenseits von allem Trubel und in aller Stille hatte der Stadtrat die Festung an der Mündung des Dhonov sowie die nötigsten Strandanlagen wieder instand setzen lassen, so dass das Moment der Überraschung, in dem sich die Angreifer wähnten, rasch gebrochen werden konnte. Von den Stadt- und Festungsmauern regnete es schnell Brandpfeile und Eisenschrot. In den engen Gassen der Unterstadt und des Burgviertels kam es dann zum Handgemenge. Am Ende eines hitzigen Vormittags kämpften Stadtwache neben der Bürgermiliz und den “Zünftigen”, einer einberufenen Schar gut zupackender Angehöriger verschiedener Handwerkszünfte. Hinzu kam, dass gerade ein bewaffneter Handelszug der Hanse von Lubeka in der Stadt war. Dieser hatten die Warenlager Stadt erst unlängst mit Wintergetreide gefüllt, und dessen “Waffenbrüder” (Anmerkung: Dies ist der Name des Geleitschutzes) fochten nun wacker Seite an Seite mit der Stadtwache und einigen “Freien” um das Untertor am Hafen.

Durch die Gassen gellten Rufe wie “Keine Beute!” und “Bürger! Lanz’ voran!” Offenbar hatte die Stadtwache mitunter Sorge, die Bürger könnten selbst zu einer wütenden Woge werden, die im Eifer in Raserei verfällt. Aber letztlich konnten alle die Beutemacher zurück an den Strand werfen, wo sie dann Hals über Kopf in ihre Beiboote flüchteten. Fast zur selben Zeit wurde das Untertor freigekämpft und die Piraten mussten auch hier klein beigeben.

Als dann die verbliebenen Segler, die fliehen wollten, mitten auf dem ruhigen Meer unter einer hohen grüngrauen Wand aus Wasser begraben wurden, war der Angriff schlussendlich vorüber und gescheitert. Die Stadt konnte aufatmen, die Wache und die Miliz hatten ihre erste Feuertaufe gegen einen beherzten Gegner bestanden.

Eher beunruhigt war man jedoch später, als man die Leiber der erschlagenen Plünderer auf dem Henkersfeld zusammentrug, um sie dort zu verbrennen. Obwohl die meisten von ihnen gewöhnliche Menschen zu sein schienen, befanden sich auch einige tote Orks und sogar Dunkelelfen unter ihnen. An ihnen fanden Inspekteure der Stadtwache dann auch die flammenden Augen als Tätowierung wieder, die vorher bereits auf den Segeln der Angreifer prangten. Da aber niemand von Amt und Stand zu wissen schien, ob und um welchen Bund es sich bei den “Feueraugen” handeln könnte, war man allenthalben ratlos und konnte wenig mehr tun als die Scheiterhaufen anzuzünden.

Trotz dieses Sieges blickt man nun sorgsam aufs Meer und die Wachen sind derzeit verdoppelt. Entweder leckt irgendwo ein angeschlagener Piratenbund seine Wunden, oder aber er sinnt auf Rache und Vergeltung. Der Stadtrat plant nun, so sagt man, die umliegenden Länder aufsuchen zu lassen, um mehr Kunde über diesen Bund zu erlangen und sich zu beraten; und auch, um die Freunde in der Region zu warnen, besonders jene, die auch Land und Städte an einer Küste halten.

04 Februar 2018

Gründung des neuen Stadtrats

Rund drei Monate nach der verheerenden Novemberflut gründet sich der Stadtrat neu und legt somit ein Fundament für die neue Ordnung in der zuletzt arg geplagten Stadt.

Mit ihrer gesamten Wucht hatte die Flutwelle nicht nur Teile der Stadt zerstört, sondern auch einen Großteil der Verwaltung hinfortgespült. Das Stadtarchiv wurde zerstört und viele Schriften und Edikte sind verlorengegangen. Amtsstuben und Verliese wurden überflutet und das Mauerwerk von manch einem Schuldturm hatte stark gelitten. Zahlreiche Gildenvorsteher und Obmänner der Zünfte kamen in den Fluten zu Tode oder gelten schlicht immer noch als vermisst. Gleiches gilt für die einstigen Stadträte Godewyn Godaricsson und Erik Wienand Schuber, die nun für tot erklärt werden mussten. Mehrere andere Überlebende des alten Stadtrats haben bekundet, dass sie vorerst kein Amt ausüben können, weil sie sich um ihre Familien und Heimstätten kümmern müssen.


Das in der Woche nach der Flut notdürftig ins Leben gerufene städtische Milizwesen hat sicher das Schlimmste verhindern können, aber auch in der Stadtwache fehlte es nach der Flut an Offizieren und Richtern; und auch an der ordnenden Hand, die zum Wohle der Stadt die Geschicke lenkt. Ohne ein Stadtgremium war das schlicht nicht möglich, und der ‘alte’ Stadtrat hatte einstweilig die Ämter fortgeführt, aber auch gleichzeitig beschlossen, sich eine neue Ordnung zu geben.

Dies ist nun geschehen. Die erste Gründungssitzung des ‘neuen’ Stadtrats wurde öffentlich auf dem Hof des provisorischen Handelsmarktes abgehalten, und nachdem die Bürger ihr Begehr vortragen konnten und die designierten Stadträte ihnen Gehör geschenkt hatten, läutete Duncan Friedwart Gerolam als Aeldermann die erste Periode des neuen Stadtrats ein und verlas die ersten Statuten eben jenes Gremiums.

Während der alte Rat aus zwölf Stadträten und einer kaum noch zu überschauenden Anzahl an Beisitzern aus Gilden und Zünften bestand, teilweise in doppelter oder dreifacher Funktion, wird der neue Stadtrat lediglich fünf Mitglieder haben und sich künftig durch zwei Gremien beraten lassen, die aber keinen direkten Einfluss auf die Rechtsprechung haben sollen. Diese Gremien sollen dann künftig für jeweils vier Jahre gewählt werden.

Es sei also verkündet, dass sich der erste neue Stadtrat wie folgt konstituiert:

  • Erster Stadtrat (Aelder) Duncan Friedwart Gerolam
  • Zweiter Stadtrat Anselm van Aardt
  • Dritte Stadträtin Nerana Simatheon
  • Vierter Stadtrat Mikka Vholny Sankharim
  • Fünfter Stadtrat Brent Sassner

Die sonst so üblichen weiteren Titel und ständischen Weihegrade dieser Räte fehlen. Nach der neuen Ordnung, die angeblich an das lubekanische Stadtrecht angelehnt sein soll, darf nun kein Stadtrat einer Zunft oder Gilde angehören, zumindest nicht während seiner Zeit als Stadtrat. Man hört, dadurch solle gewährleistet werden, dass das Wohl der Stadt im Vordergrund steht.

Der Stadtrat wird beraten werden durch den Rat der Witans, Personen, die mit der Führung eines herausgehobenen Amtes betraut sind. Dies sind vornehmlich die Führung der Gemarkungen Bregarlund und Kirgrast, also der Ländereien außerhalb der Stadt, die Lenkung des Fernhandels, die Aufnahme und Pflege von Beziehungen zu anderen Ländern und die Aufsicht über das Milizwesen.

Zudem sitzen dem Stadtrat zu bestimmten Anlässen die Vertreter der größeren Gilden und Zünfte in einer beratenden Kammer bei und sollen Vorschläge für Bauvorhaben, Gesetze und Verordnungen unterbreiten. Die Anzahl dieser Beisitzer wird elf nicht überschreiten.


Alles in allem hört man, dass diese neue Stadtordnung bei den Bürgern gut ankam, waren sie doch in der Vergangenheit immer wieder die Leidtragenden im politischen Geplänkel zwischen Gilden, Zünften und städtischen Würdenträgern. Mit diesem wichtigen Schritt sind nun natürlich nicht alle Umstände der vergangenen Monate ungeschehen gemacht worden, aber mit einer neuen Stadtverwaltung geht das Signal einher, dass es bergauf geht für die Bürger und für die Stadt; und angeblich tagt der Stadtrat sogleich weiter, um noch vor dem nahenden Frühling erste Verordnungen und Edikte zu verabschieden.








28 Dezember 2017

Provisorischer Handelsmarkt gegründet

Der Stadtrat gibt die Gründung eines provisorischen Handelsmarktes bekannt. Interessierte Händler können sich an die Magistratur oder einen Beauftragten der Stadt wenden, wenn sie willens und imstande sind, dringend benötigte Waren in die Stadt zu bringen. 

Händler können ab sofort Aufträge der Stadt entgegen nehmen. Diese sogenannten Handelskontrakte haben dann ein bestimmtes Volumen und werden für den Aufbau der Stadt ausgeschrieben. Die Waren werden dringend benötigt. Besagte Händler können diese Kontrakte gegen eine symbolische Zeichnungsgebühr von zehn Unzen Silber erwerben. Mit der Annahme verpflichten sie sich, das vereinbarte Volumen an Waren innerhalb einer frei zu wählenden Frist in die Stadt zu verbringen und auf dem Großen Marktplatz beim Magistrat zu löschen.

Derzeitig hat der Magistrat Kontrakte für folgende Waren ausgegeben:

1. Baufähiges Holz
2. Baufähiger Stein
3. Bitumen
4. Rohe Wolle
5. Gewöhnliche Tuchstoffe
6. Wintergetreide 

Die einzelnen Handelskontrakte können beim Provisorischen Handelsmarkt eingesehen werden. Dort ist man auch gehalten, sich einzuschreiben und dort können Händler auch die einzelnen Kontrakte zeichnen.

Händler, die beabsichtigen, andere Waren in die Stadt zu bringen und dort zu verhandeln, sind aufgefordert, sich mit ihrem Begehr ebenfalls an den Magistrat des Handelsmarktes zu wenden.


gezeichnet, der Stadtrat  



13 Dezember 2017

Hilfe im Winter

Die Lage ist sicher sehr ernst in Neu Freystadt, seitdem eine große sturmflutartige Überschwemmung des Flusses Dhonov vor gut einem Monat große Teile der Stadt und auch des Umlands in Mitleidenschaft gezogen hat. Aber die Lage ist eben nicht hoffnungslos.

Auf einem freundschaftlichen Treffen verschiedener Reiche und Organisationen vor einigen Tagen im burgundischen Herzogtum Blankenberg wurden die Repräsentanten der umliegenden Länder über das Ausmaß der Dinge in Kenntnis gesetzt. 1217 beziehungsweise 617, je nach Zeitrechnung, war ein schwieriges Jahr für viele und natürlich wurde die Nachricht sehr betrübt und besorgt aufgenommen. Aber ebenso kamen bereits die ersten Bekundungen von Solidarität und Angebote, Hilfe zu leisten und die Not zu lindern. So sagten beispielweise die caressianische Diplomatin Lady Seraphine und die ebenso anwesende Provinzherrin aus Veilham, Lady Elisabeth Bardi, zu, umgehend ihre Herrin, Fürstin Sophie-Christine de Durée-Caresse zu informieren und nicht benötigte Wollstoffe oder gar Lederzelte in die Stadt zu schicken. Ebenso rührend wie hilfreich war das Angebot eines Heiler-Ordens aus den burgundisch-flandrischen Gebieten, eine nach dem dortigen Krieg nicht mehr benötigte Schwesternschaft nach Neu Freystadt zu verlegen. Burgund hat sich bereit erklärt, die übrig gebliebenen Schiffe Neu Freystadts auf Reede zu nehmen, durch den Winter zu bringen und beim Wiederauftakeln zu helfen. Und um das Quartett komplett zu machen darf berichtet werden, dass sich die erhabene Stadt Zazamanc aus dem Königreich Stauchen durch das Wort des Kalifé Alamut ibn Zirgan bereit erklärte, eine größere Lieferung von allerlei Obst und Zitrusfrüchten in die Stadt zu entsenden, damit dort Vorbeugung gegen den Ausbruch von allerlei Mangelkrankheiten getroffen werden kann.



Baron Ziridor von Thaluba de Firente, der erstmalig seit der Hochzeit in Begleitung seiner reizenden Gattin Baronin Mafisa von Thaluba de Firente bei dem Treffen zugegen war und für Neu Freystadt die Gespräche und - wo überhaupt nötig - die Verhandlungen führte, fiel dann natürlich auch ein Stein vom Herzen: “Ich hätte frühestens im neuen Jahr mit eindeutigen Zusagen gerechnet, weil der Winter meistens dem eigenen Land viel abverlangt. Aber es ist gut zu wissen, dass sich nun die seit mehreren Jahren gewachsenen Beziehungen zwischen unseren Ländern so positiv und unkompliziert auswirken. Ich bin mir sehr sicher, das wird im Freystädter Stadtrat gern gehört werden.”



Und so scheint es auch in der Tat gewesen zu sein. Der derzeitige Erste Stadtrat, Aelder Duncan Friedwart Gerolam, wurde auf dem großen Stapelmarkt Neu Freystadts gehört, wie er zu einem Teil der besorgten Bürger sprach: “Bürger! Mir zeigt das am Beispiel der Hanse, dass aus Handelsbeziehungen eben auch mehr entstehen kann. Ich hätte nicht damit gerechnet, nach nur einem Monat schon mehrere handfeste Hilfsangebote auf dem Tisch zu haben, die uns in dieser schwierigen Lage helfen werden. Wir tun gut daran, die ausgestreckte Hand dankend anzunehmen.”



In der Zwischenzeit ist man in Neu Freystadt bemüht, die Wasserstände in den überschwemmten Parzellen festzustellen, um überhaupt abschätzen zu können, welches Land wohl wieder trockengelegt werden kann, und welches man als verloren abschreiben muss. Gerade in den älteren, vorwiegend aus Holz gebauten Stadtteilen sind die Schäden teilweise immens, und von den sechs großen Brücken vom Ufer des Dhonov auf die große, bebaute Flussinsel haben gerade einmal zwei die Flut überstanden. In der Zwischenzeit berät der einstweilige Stadtrat beinahe täglich über die Lage und spricht den Bürgern, Armen und Familien von zugereisten Händlern viel Mut zu. So hat er beispielsweise ein sofort in Kraft getretenes Edikt erlassen, das dem Ausbreiten von Krankheiten und Rattenplagen vorbeugen soll. Ebenso gibt es Edikte, die Plünderern und Räubern das Leben und ihre Umtriebe schwer machen sollen und bei Bedarf auch rasch Teile der Bürgerschaft in eine Miliz überführen können, bis die Stadtgarde wieder voll hergestellt ist.



Alles in allem kehrt sicherlich sobald keine Normalität ein in der Stadt, aber man ist auf dem besten Wege dorthin, und jede Hilfe aus dem befreundeten Ausland ist sehr willkommen; egal ob im Winter oder Frühjahr... 




29 November 2017

Nach der Flut...

Die Kunde von der großen Flut in Neu Freystadt erreichte die umliegenden Länder natürlich erst nach einigen Tagen oder gar einer oder zwei Wochen. In der Zwischenzeit wurde aber in der Hafenstadt viel angepackt.

So war die Einigung schnell erzielt, den großen Schäden schnell beizukommen und die Ordnung wieder herzustellen, was auch immer das in Neu Freystadt bedeutet. So wurden bereits kurz nach der großen Flut, die so viele Schäden in Neu Freystadt angerichtet und so viele Tote gefordert hat, der ehemalige Stadtrat und auch mehrere andere Gildenzusammenkünfte der Stadt für aufgelöst erklärt. Veranlasst hat dies augenscheinlich der ehemailge Erste Stadtrat Duncan Friedwart Gerolam mit Hilfe einer rasch ausgehobenen Stadtmiliz und einigen anderen Würdenträgern, die nach der Flut nicht tot sind oder als vermisst gelten. Zu eben jenen Vermissten zählen auch Mitglieder des alten Stadtrats, wie zum Beispiel der Ehrenwerte Bürger Godewyn Godericsson oder die Geldwechslerin Inessa Thalion. Aber auch von anderen ehemals einflussreichen Händlern und Obmännern fehlt bislang jede Spur oder jedes Lebenszeichen.


Die Stadt selbst litt zuletzt stark unter dem Ruf, ein Pfuhl für Chaos, Misswirtschaft und Kungelei zu sein, in dem alles zum Stillstand verdammt war. Im Grunde genommen war der Fortschritt der Willkür der undurchsichtigen Gildenpolitik ausgeliefert. Gerolam hatte dies in den vergangenen Jahren in den Ratssitzungen oft beklagt, hat sich aber bislang vermutlich die Zähne ausgebissen. Aber jeder wird gerade in dieser Lage bestätigen können, dass sich die Dinge schnell ändern müssen. Insofern scheint er die Gunst der Stunde nutzen zu wollen, auch wenn das in diesem Zusammenhang ein makabrer Ausdruck ist, um die desaströse Situation in der Stadt rasch in den Griff zu bekommen. Eines der obersten Ziele, so hört man, sei neben der Linderung der Not auch das Wiederherstellen der verwalterischen Handlungsfähigkeit.


In der Zwischenzeit hat Stadtrat Gerolam auch das befreundete Ausland um Hilfe gebeten, da der Winter vor der Türe steht und die Stadt noch große Not leidet. Mit Hilfe großzügiger Spenden und anderer Hilfen hat der provisorische neue Stadtrat mehrere Handelskontrakte aufgesetzt, die Neu Freystadt schnell Linderung bringen sollen. Dabei geht es hauptsächlich um Wollstoffe, Segeltuch, Holz und allerlei Feldfrüchte und auch Wintergetreide, um für das Nötigste zu sorgen. Es heißt, die Hanse von Lubeka würde einstweilen für die Stadt einspringen und die Kosten für diese umfangreichen Maßnahmen übernehmen. Und es heißt weiter, dass Kaufleute und Handelsorganisationen anderer Länder aufgerufen sind, anhand dieser Kontrakte eben jene ausgeschriebenen Waren in die Stadt zu bringen, um sich dort am Aufbau zu beteiligen. Augenscheinlich arbeitet man bereits an einer Art Magistratur, die diese Dinge nachhalten soll.


Stadtrat Gerolam betonte in der zweiten offiziellen Sitzung des neuen provisorischen Stadtrats, dass er dafür werben werde, dass jene, die schnell helfen, einen besonderen Platz im Herzen der Stadt haben sollen.



24 November 2017

Große Zerstörungen in Neu Freystadt

Schreckliche Neuigkeiten ereilen uns aus der großen und oft verrufenen Handelsstadt am Dunkelmeer: Neu Freystadt.

Nach allem, was uns derzeitig an Kunde aus jenen Landen erreicht, müssen wir annehmen, dass die Stadt, oder zumindest ein größerer Teil von ihr, bei einer gigantischen Überschwemmung und den daraus resultierenden Umständen zerstört wurde. Es ist zwar schwierig, in aller Eile ein paar Erkundigungen aus jener Gegend weit hinter dem Ringgebirge einzuziehen, aber einige Fernhändler, die auffälligerweise so ganz ohne Waren Eingang nach Stauchen suchten, berichteten, dass mehrere Nächte zuvor große sturmflutartige Wellen ihre Wassermassen den Freystädter Fluss hinab getrieben hätten. Dabei sollen sie zumindest Teile des alten Hafens und der am selbigen liegenden Unterstadt, nebst dem verruchten Hafenviertel, weggespült oder überschwemmt haben. Was diese Wellen verursacht haben könnte, wusste allerdings kein Händler zu berichten. Gerüchten zufolge könnte es aber ein großer Sturm oder Wolkenbruch über den nördlichen Bergen gewesen sein. Immerhin sind die Berge dort beinahe ebenso hoch wie die Gipfel des stauchischen Ringgebirges. Wie dem auch sei: Wie das Ausmaß der Katastrophe nun genau aussieht, wieviele Tote, Versehrte und Vermisste es gibt und wie es in der Stadt weitergehen soll, wusste bislang niemand einzuschätzen.


Ebenso fraglich scheint auch momentan, welche Besitztümer all jener ausländischer Fernhändler und Gilden durch diese Flut hinweggespült, eingestürzt oder anders in Mitleidenschaft gezogen wurden. Es gibt viele Händler, die seit langem in der Hafenstadt mehr oder minder große Lagerhäuser oder Kontore unterhalten oder unterhielten. Und es gibt Gilden, die ihre Häuser entlang des Freymarktes in der Unterstadt haben oder hatten. Ob und in welchem Zustand dies alles erhalten ist, bleibt wohl zunächst völlig offen und muss in Erfahrung gebracht werden. In einer ersten Stellungnahme konnten wir immerhin die Dame Jasemine von Wertbaum, das Oberhaupt des gleichnamigen stauchischen Handelshauses erreichen. Wir dürfen hier ihren Wortlaut zitieren: “Ich bin zutiefst erschüttert. Das Handelshaus Wertbaum unterhält in Neu Freystadt mehrere Lagerhäuser und eine Walkmühle für das Walken von Stoffen. Sechsunddreißig Männer und Frauen stehen dort in unseren Diensten. Ich hoffe inständig, dass alle wohlauf sind, und dass diese plötzliche Flut, was auch immer sie ausgelöst haben mag, ihnen nichts anhaben konnte. Ich habe Quaestor Jorgan Immersiel, meinen engsten Berater, bereits dorthin geschickt, um sich ein Bild vor Ort zu machen und werde selbstverständlich alsbald selbst dorthin reisen. Mögen die Faucher auch über die Staucher im Ausland wachen!”


Insgesamt scheint die einst stolze Hafenstadt also arg in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein, und es wird sicher seine Zeit dauern, bis klar ist, was diese Naturgewalt heraufbeschworen hat. Allerdings lassen sich auch bereits erste mahnende Stimmen vernehmen, die nun den zweifelhaften Ruf Neu Freystadts als Stadt des Lasters und des Geldes hervorheben und als Pfuhl der Korruption und der Sünde brandmarken. Ob dies so klug ist bei dem Leid und den Toten, die diese Katastrophe sicher mit sich bringen wird, steht, darf natürlich hinterfragt werden; und natürlich darf nichts Geringeres als die Strafe der Götter dafür herhalten, um dieses unglaubliche Geschehen zu erklären. Aber solche Stimmen muss es wohl auch geben, vor allem aus dem konservativen Thalothien und der merkantilen Metropole Hochburg; vielleicht auch nur, um von sich selbst abzulenken und den Fingerzeig bequem in eine andere Richtung wandern zu lassen.


Eindeutiger, und vielleicht weniger göttlich strafend, wird es vermutlich eh erst, wenn die ersten Reisenden  zurückkehren und mehr über das Ausmaß der Katastrophe zu berichten wissen.